Wünsch dir was (2006)

Arbeiten / Kunst am Bau

Wünsch dir was

Kindertagesstätte Felsennelkenanger, München 2006

Im Märchen haben Wünsche magischen Charakter. Ein Wunsch wird meist im Geheimen geäußert und innerhalb eines geschützten Rahmens formuliert. Die beiden Halbkugel-Objekte – Wünsch Dir was – von Susanne Pittroff greifen formal das Kugelmotiv aus dem Märchen auf und laden mit ihren verspiegelten Oberflächen zum Spiel mit der Wahrnehmung ein: wer zwischen sie tritt sieht sein Spiegelbild, umrahmt von der farbigen Fläche des gegenüberliegenden Spiegels. Innen und Außen vermischen sich durch ständige Perspektivenwechsel. In der Drehung verändert sich die Umgebung und nimmt den gesamten Radius der Außenwelt mit auf. Die Kinder können die zerteilte Kugel umkreisen, sie durchrolle(r)n und für sich erfahrbar machen. Die Halbkugeln werden zur umhüllenden Blase, zum geschützten Mikrokosmos, aus dem das Kind die es umgebende Welt entdecken und sich zu ihr ins Verhältnis setzen kann. Ein Abseits-Stehen gibt es dabei nicht, da die Spiegelung außen stehende Kinder mit nach innen holt und abbildet. Der Raum zwischen und hinter den Kugelhälften bietet die Möglichkeit, sich zu verstecken, sich weg zu wünschen und zeitweise unsichtbar zu machen. Susanne Pittroff beschäftigt sich in ihren orts- und raumbezogenen Arbeiten viel mit Vexierbildern und Positiv/Negativ-Formen, die gewohnte Sichtweisen unseres Alltags in Frage stellen. Unterschiedliche Stand-Punkte ergeben dabei neue Zusammenhänge. Aus dem Einzelbild entsteht ein vielschichtiges Gesamtbild mit mehreren Bedeutungsebenen, die der Betrachter mit eigenen Assoziationen und Erinnerungsbildern auffüllen kann.
Text aus der Dokumentation von Quivid (Baureferat München): Simone Orb
Fotos: ©Wilfried Petzi
 
Beton; Glas, beschichtet mit Silber und/oder keramischer Schmelzfarbe
Durchmesser 130 cm, Boden: Fallschutzbelag
Architekt: Walther Landherr
Statik: Lieb und Obermayr
Betonherstellung: Firma Stangl; Gläser: Bayer. Hofkunstanstalt, München